Meine KI sagt – der Zinsschock fehlt tatsächlich als eigener Punkt, und er gehört meiner Einschätzung nach in die Analyse. Allerdings weniger als Ursache, sondern als Verstärker und als Erklärung dafür, warum am Ende niemand mehr Fisker retten wollte.
Man kann das auf drei Ebenen betrachten:
Kapitalmarktseite: Fisker war ein Kind der Nullzinsära. Der Börsengang lief 2020 über einen SPAC, zu einer Zeit, in der Kapital für verlustreiche EV-Startups praktisch gratis war. Zwischen März 2022 und Mitte 2023 hob die Fed die Zinsen von nahe 0 % auf 5,25–5,5 %. Damit drehte sich die Bewertungslogik für Wachstumsfirmen komplett: Zukünftige Gewinne wurden stärker abgezinst, die Aktienkurse der EV-Startups brachen ein, und frisches Eigenkapital über den Markt zu holen wurde für Fisker faktisch unmöglich. Übrig blieben teure, restriktive Wandelanleihen – und genau ein Covenant-Bruch bei einer solchen Anleihe (die verspätete Bilanzvorlage) löste Anfang 2024 die akute Krise mit aus. In der Nullzinswelt hätte Fisker die 905 Mio. Dollar Cash-Abfluss vermutlich einfach nachfinanzieren können, so wie es viele EV-Startups 2020/21 taten. 2023/24 ging das nicht mehr.
Nachfrageseite: Der Ocean ist ein Auto im Bereich von 40'000 bis 70'000 Dollar/Euro, das die meisten Kunden finanzieren oder leasen. Mit Autokreditzinsen von 7–9 % in den USA statt 2–3 % stieg die Monatsrate spürbar – ausgerechnet bei einer Marke ohne eigene Captive-Bank und anfangs ohne attraktive Leasingangebote. Das dürfte einen Teil der über 40'000 Stornierungen miterklären: Zwischen der 250-Dollar-Reservierung von 2021/22 und dem tatsächlichen Kaufzeitpunkt 2023 hatte sich das Finanzierungsumfeld für den Kunden massiv verschlechtert. Die langen Lieferverzögerungen wurden dadurch doppelt teuer – jeder Monat Verzug fiel in ein schlechteres Zinsumfeld.
Working Capital: Die Tausenden fertigen, unverkauften Ocean banden Kapital genau dann, als Kapital am teuersten war. Auch die Händler- bzw. spätere Dealer-Partner-Finanzierung von Beständen wurde durch die Zinsen belastet.
Warum der Punkt trotzdem nicht die Kernthese des Beitrags umwirft: Der Zinsschock traf alle EV-Startups gleichermassen – Rivian, Lucid, Polestar haben ihn (bisher) überlebt, Lordstown, Proterra, Arrival und eben Fisker nicht. Der Unterschied lag in der Exekution. Die Zinsen haben den Fehlertoleranz-Puffer entfernt: In der Nullzinswelt konnte man sich Software-Chaos, Auslieferungsprobleme und 16 Mio. Dollar unzugeordnete Zahlungen leisten und trotzdem nachfinanzieren. Ab 2023 bedeutete dieselbe Fehlerliste den Tod.
Man könnte es also als Punkt 15 formulieren: Der Zinsschock hat Fisker nicht umgebracht, aber er hat dafür gesorgt, dass es für die selbstverschuldeten Fehler keine zweite Chance mehr gab – kein billiges Kapital, keine geduldigen Investoren, und Kunden, für die das Auto plötzlich teurer geworden war, ohne dass Fisker den Preis erhöht hatte.