Fisker Ocean mit Wechselakku von Ample – wie weit war das Projekt wirklich?
Ich (und KI) habe ziemlich intensiv recherchiert, wie weit Fisker und Ample mit dem geplanten Wechselakku für den Ocean tatsächlich gekommen sind.
Dabei habe ich alte Fisker-Unterlagen, Ample-Patente, Presseberichte, Fotos/Videos, technische Unterlagen sowie später auch die Insolvenzunterlagen von Fisker und Ample durchsucht.
Das Ergebnis ist spannender als gedacht:
Fisker und Ample kündigten am 2. Mai 2023 offiziell an, gemeinsam einen Fisker Ocean mit Wechselbatterie zu entwickeln. Gedacht war diese Variante zunächst für Flottenkunden. Bereits im 1. Quartal 2024 sollten die ersten Fahrzeuge verfügbar sein. Henrik Fisker erwähnte damals sogar Gespräche über grössere Flottenbestellungen, die von der Wechselakku-Lösung abhängig waren.
Wichtig dabei:
Das war offenbar mehr als nur eine Marketingidee. Laut damaligen Berichten war die gemeinsame Entwicklung bereits angelaufen. Noch im offiziellen Fisker-Pressekit vom Juli 2023 wurde das Projekt ausdrücklich als „Ample – Swappable battery systems (fleet solutions), Fisker Ocean“ aufgeführt.
Wie sollte das technisch funktionieren?
Der normale CATL-Akku des Ocean wäre sehr wahrscheinlich nicht einfach ausgetauscht worden.
Amples Konzept funktioniert anders: Anstelle des kompletten OEM-Akkus wird eine fahrzeugspezifische Interface-/Adapterplatte eingebaut. Diese nutzt den vorhandenen Batterieraum und verbindet das Fahrzeug mechanisch und elektrisch mit mehreren kleineren austauschbaren Batterieträgern.
Vereinfacht:
Ocean FM29 Unterboden → normaler CATL-Akku entfällt → Ocean-spezifische Ample-Adapterplatte → HV-, BMS-, Kühlungs- und Verriegelungstechnik → mehrere herausnehmbare Battery-Trays → darin Ample-Batteriemodule.
Die Ample-Patente zeigen diese Konstruktion ziemlich detailliert. Die einzelnen Trays werden von unten automatisch entriegelt und von einem Roboter aus dem Fahrzeug entnommen.
Ein echter Fisker Ocean stand bei Ample
Das ist einer der interessantesten Funde.
Ein Bloomberg-Reporter besuchte Ample im Mai 2023 in San Francisco. In der Entwicklungshalle standen verschiedene Fahrzeuge, darunter ausdrücklich ein Fisker Ocean.
Gleichzeitig berichtete Bloomberg, dass Ample bereits fahrzeugspezifische Adapterplatten für rund 20 verschiedene Elektrofahrzeugmodelle entwickelt hatte.
Das beweist noch nicht, dass der dort stehende Ocean bereits einen Ample-Akku eingebaut hatte. Es zeigt aber, dass tatsächlich ein Ocean bei Ample für das gemeinsame Projekt vorhanden war.
Es gab richtige CAD- und Produktionsunterlagen
Durch die spätere Insolvenz von Ample sind weitere interessante Informationen öffentlich geworden.
Ample verfügte nicht nur über Patentzeichnungen, sondern über richtige Produktionsunterlagen für seine Adapterplatten:
● CAD-/Engineering-Daten
● Stücklisten (BOM)
● Produktionszeichnungen
● Montageanleitungen
● Werkzeuge und Produktionsparameter
● Unterlagen vom BOM bis zur fertigen funktionsfähigen Adaptereinheit.
Ample arbeitete dafür unter anderem mit Siemens NX CAD.
Nach der Ample-Insolvenz wurden diese technischen Unterlagen 2026 an Transform AMP LLC verkauft.
Eine ausdrücklich als „Fisker Ocean/FM29 Adapter Plate“ bezeichnete CAD-Datei konnten wir allerdings nicht öffentlich finden.
Wie weit war der Ocean wirklich?
Nach allem, was sich heute noch rekonstruieren lässt, würde ich den Entwicklungsstand so einschätzen:
Sicher belegt: Fisker und Ample arbeiteten gemeinsam an der Ocean-Version. Ein echter Ocean befand sich bei Ample. Die Einführung für Q1 2024 war konkret vorgesehen und Fisker sprach bereits mit möglichen Flottenkunden.
Sehr wahrscheinlich:
Ample hat den Ocean vermessen und eine FM29/Ocean-spezifische Adapterplatte zumindest im CAD konstruiert.
Möglich bis wahrscheinlich:
Eine solche Adapterplatte oder Teile davon wurden tatsächlich gefertigt.
Nicht nachweisbar: Dass die Ample-Hardware tatsächlich komplett in einen Ocean eingebaut wurde.
Ebenfalls nicht nachweisbar:
Ein fahrfähiger Ample-Ocean oder ein tatsächlich durchgeführter automatischer Batteriewechsel eines Ocean.
Fazit
Der geplante Fisker Ocean mit Wechselakku war offenbar deutlich mehr als nur eine Presseankündigung. Das Projekt hatte einen konkreten Einführungstermin, gemeinsame Entwicklungsarbeiten liefen und ein Ocean stand tatsächlich bei Ample.
Am wahrscheinlichsten ist, dass Ample zumindest eine Ocean-spezifische CAD-/Adapterkonstruktion entwickelt hatte. Ob daraus noch ein vollständig funktionsfähiger Prototyp entstand, bleibt offen.
Leider kam dann Fiskers Zusammenbruch dazwischen. Die Ocean-Produktion wurde im März 2024 gestoppt – genau zu dem Zeitpunkt, zu dem die ersten Ample-Ocean eigentlich auf die Strasse kommen sollten.
Irgendwo in den heute von Transform AMP übernommenen ehemaligen Ample-Engineering-Daten könnte deshalb tatsächlich noch die CAD-Konstruktion der Fisker-Ocean-Adapterplatte liegen. Genau dieses eine Dokument wäre der endgültige Beweis.